Läuse

Immer wieder treten in Einrichtungen, die von Kindern besucht werden, Kopfläuse auf. Sie werden von uns umgehend benachrichtigt, wenn in der Klasse Ihres Kindes Läusebefall festgestellt wurde.

Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden Sie unter http://www.bzga.de.


Informationen zur Behandlung

Die folgenden Informationen stammen von Hans-Martin Lode, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin.

PDF Download: Informationen zur Behandlung von Läusen

Das wichtigste vorweg:
Der Befall mit Kopfläusen kann jede Familie treffen und ist nicht abhängig von sozialem Status, Bildungsniveau und Hygiene! Sie müssen sich also nicht schämen wenn in Ihrer Familie Kopfläuse auftreten, aber Sie sollten versuchen sie möglichst schnell loszuwerden und nicht zu verbreiten!


Wissenswertes zur Kopflaus

Kopfläuse sind Insekten die es schon seit vielen Tausend Jahren gibt und die sich auf das Leben auf der behaarten Kopfhaut des Menschen spezialisiert haben. Kopfläuse leben vom Blut des Wirtes und sind sehr von der Wärme in der Nähe der Kopfhaut abhängig.
Da Kopfläuse an den Enden ihrer 6 Beine sehr kräftige Krallen haben, mit denen sie sich an den Haaren festhalten, sind sie am behaarten Kopf sehr flinke Kletterer (bis zu 30cm/min). Wenn Sie aber auf einer glatten Oberfläche liegen kommen sie kaum vom Fleck. Springen oder fliegen können Kopfläuse gar nicht. Beim Köpfe zusammenstecken, Kuscheln und Schmusen wandern die Läuse von Kopf zu Kopf. Dabei sind sie auch gar nicht wählerisch. Ob der „neue“ nun gewaschen ist oder nicht (Angeblich bevorzugen Kopfläuse sogar frisch gewaschenes Haar): Jeder Kopf ist als Quelle einer neuen Blutmahlzeit höchst willkommen.
Über unbelebte Gegenstände können Läuse nur selten weitergegeben werden (Eventuell über eine gerade benutzte Mütze oder Bürste) da sie wie erwähnt die Wärme des Kopfes brauchen um nicht sehr träge oder gar bewegungsunfähig zu werden. Außerdem brauchen Läuse mehrmals täglich eine Blutmahlzeit (alle 2-4 Stunden) um nicht auszutrocknen. Sie sind spätestens nach 55 Stunden (also 2 ½ Tagen) ohne Blut abgestorben. Da Kopfläuse in höchstem Maße auf den Menschen (bzw. dessen Blut) spezialisiert sind können sie nicht von Haustieren übertragen werden. Kopfläuse können keine Krankheiten übertragen! Durch den Juckreiz, der nach einem Stich entsteht (wie bei Stechmücken) kann es aber infolge des Kratzens zu lokalen Infektionen kommen die sich manchmal auch ausbreiten und dann vom Arzt behandelt werden müssen.


Der Lebenszyklus einer Kopflaus

Die Weibchen legen in ihrem ca. einen Monat dauernden Leben bis zu 300 Eier (10 pro Tag). Aus diesen Eiern (Nissen) schlüpfen nach 7-10 Tagen die sogenannten Larven (0,8mm groß). In den folgenden 7-10 Tagen wächst die Laus durch zwei weitere Larvenstadien (Häutungen). Nach der dritten Häutung ist die Laus erwachsen und etwa 2-4mm lang. Nach zwei weiteren Tagen beginnen die befruchteten Weibchen wieder mit der Eiablage und der Lebenszyklus der Läuse beginnt von neuem.
Die Läuse sind Braun (Weibchen) oder Schwarz (Männchen). Die Männchen sind etwas kleiner und leben nur 2-3 Wochen.
Nur die erwachsenen Läuse gehen auf Wanderschaft von Kopf zu Kopf, die „Läusekinder“ verlassen die Nähe der Kopfhaut nicht freiwillig.


Woran kann man erkennen ob man Kopfläuse hat?

Der/die Betroffene fängt an, sich am Kopf zu kratzen. Am Haaransatz im Nacken oder über den Ohren können Sie kleine rote Pünktchen erkennen.
Sie sollten also, spätestens sobald Ihr Kind oder ein anderes Familienmitglied über Juckreiz am Kopf klagt, nachsehen ob Kopfläuse die Ursache dafür sind.
Besser ist es aber sofort nachzusehen wenn im Umfeld ein Kopflausbefall bekannt wird. Bitte untersuchen Sie auch alle Familienmitglieder und lassen Sie auch sich nicht aus.
Zur Untersuchung geben Sie auf das feuchte Haar einen handelsüblichen Pflegeschaum, kämmen diesen dann Strähne für Strähne mit einem sehr feinen Kamm (Zinkenabstand <0,2mm, erhältlich in der Apotheke oder Versand) aus dem Haar aus und streifen diesen dann auf Küchenpapier ab. Auf dem weißen Schaum erkennt man die nur wenige Millimeter großen Läuse sehr gut und die Läuse können sich im Schaum nicht bewegen.

An den Haaren vor allem im Bereich des Haaransatzes (vor allem am Beginn des Befalls, später auch weiter außen am Haar) kann man zudem die Eier der Läuse (Nissen) finden. Diese sind wasserunlöslich an das Haar geklebt, können nicht ausgewaschen und nur sehr schwer abgekämmt werden. Die Kopfläuse haben nämlich eine Art Superkleber entwickelt mit dem sie die Nissen befestigen. Die Nissen sind entweder grau-schwarz oder weiß (Achtung: Schuppen sind auch weiß, können aber auf dem Haar bewegt und ausgewaschen werden, Nissen nicht!).


Wie behandelt man Kopfläuse?

Wichtig ist, dass Sie jedes von Kopfläusen befallene Familienmitglied mit einem wirksamen Mittel (Liste am Ende des Artikels) entsprechend dem vom Hersteller genau vorgegeben Zeitplan behandeln. Dies ist für den Behandlungserfolg von besonderer Bedeutung und liegt am oben beschriebenen Lebenszyklus der Läuse!
Verwenden Sie also ein wirksames Präparat in Verbindung mit einem geeigneten Kamm zum Auskämmen der Haare nach der Einwirkzeit des Präparats.
Die Präparate töten bei richtiger Anwendung alle geschlüpften Läuse ab, eine 100% Wirkung auf die in den Nissen (Eiern) befindlichen Läuse gibt es aber nicht!
Das bedeutet: Bereits am Tag nach der Behandlung können neue Läuse schlüpfen!
Nach 5 Tagen sollten Sie erneut eine Kontrolle durchführen (Nasses Haar mit Pflegespülung auskämmen) um zwischenzeitlich geschlüpfte Läuse auszukämmen.
Am Tag 8, 9 oder 10 nach der Erstbehandlung (Tag 1) muss (!!!) eine erneute Behandlung mit dem selben Mittel durchgeführt werden, um die bis dahin geschlüpften und dann gerade erwachsenen Läuse vor der Eiablage abtöten und entfernen zu können. Eine frühere Wiederholungsbehandlung bringt nichts, da immer noch Läuse in Nissen vorhanden sein können!
In der Folge sollten in wöchentlichem Abstand 2-3 Kontrolluntersuchungen erfolgen um auch einen Wiederbefall frühzeitig zu entdecken!


Umgebungsmaßnahmen:
Die meisten allseits bekannten Maßnahmen zur Umgebungsreinigung und -desinfektion sind nicht erforderlich! Lassen Sie es also einfach bleiben.
Ein Berg Bettwäsche und ein schreiendes Kind das nicht will, dass das Lieblings-Kuscheltier eingefroren wird sind in diesem Moment sicher das letzte was Sie brauchen können.
Sinnvolle Maßnahmen:

  • Reinigen Sie die Kämme oder Haarbürsten mit einer alten Zahnbürste oder Handwaschbürste.
  • Jedes Familienmitglied sollte eine eigen Bürste/Kamm bekommen.
  • Legen Sie in den letzten 3 Tagen getragene Mützen für 3 Tage auf die Seite.

Und nochmal: Eine Ansteckung durch unbelebte Gegenstände ist äußerst unwahrscheinlich.


Weitere wichtige Maßnahmen

Informieren Sie bitte Schule / Kindertagesstätte Ihres Kindes, sowie alle Freunde und Verwandte, die engen Kontakt zu den Befallenen hatten und auch z.B. den Sportverein, das Ferienlager etc., damit hier auch Kontrolluntersuchungen und ggf. Behandlungen stattfinden können! Schämen Sie sich nicht, Sie wissen jeder kann Läuse bekommen! Sie würden sich wundern wer schon alles einmal Läuse hatte!!
Nur durch frühzeitige Information von Kontaktpersonen kann die Ausbreitung von Kopfläusen und damit ein möglicher Wiederbefall wirksam verhindert werden!
Übrigens bieten Kopfläuse wenn Sie mit ein paar abgeschnittenen Haaren in einem Schraubglas aufbewahrt werden ein hervorragendes akrobatisches Unterhaltungs-potenzial sowie die Möglichkeit zum Anschauungsunterricht in der Schule oder Tageseinrichtung.

Wie kann man den Wiederbefall noch verhindern?

Es gibt derzeit kein wissenschaftlich untersuchtes Mittel welches bewiesen hat, das es den einen oder anderen Kopf zuverlässig vor Läusen schützt (Läuseabwehr-Spray, -Shampoos, -Waschmittel etc.).
Eine komplette Rasur des Kopfes auf Haarlängen unter 2 cm ist niemandem zuzumuten insbesondere nicht einem Kind.
Was es aber den Läusen schwerer macht auf den Kopf zu kommen (es aber zu 100% verhindert) ist die Haare eng am Kopf zu tragen. Lange Haare also zu einem Pferdeschwanz binden und dann die Köpfe nicht zu dicht zusammenstecken.

Alternative Methoden

Eine Beurteilung von alternativen Methoden zur Kopfläusebekämpfung ist schwierig da oft keine guten Untersuchungen zur Wirksamkeit dieser Methoden vorliegen. Deshalb können diese auch nicht ohne Umschweife empfohlen werden.
Methoden die nicht am Lebenszyklus der Läuse (s.o.) orientiert sind, wie z.B. das tägliche Auskämmen der Haare mit Essigwasser für 7 Tage, sollten Sie aber auf keinen Fall anwenden da diese sicher unwirksam sind und eher schaden.

Rechtliche Aspekte und Atteste

In Deutschland schreibt das Infektionsschutz-Gesetz (IfsG) keine Attestpflicht bei Läusebefall vor. Gleichwohl dürfen Kinder und Jugendliche mit Läusebefall keine Gemeinschaftseinrichtung (Schule / Kindergarten / Hort / Sportverein etc.) besuchen. Erst am Tag nach Behandlungsbeginn mit einem wirksamen Mittel dürfen Kinder und Jugendliche wieder zu der entsprechenden Einrichtung zugelassen werden. Es reicht aus, dass die Eltern bestätigen, dass eine Behandlung durchgeführt wurde. Welche Form diese Bestätigung haben soll (mündlich oder schriftlich) wird Ihnen von der Schulleitung der ASS mitgeteilt.
Diese Regelung ist äußerst sinnvoll, wird aber leider immer noch von vielen Eltern umgangen, die aus Scham oder aus der Befürchtung heraus mehrfach zum Kinderarzt zu müssen, den Läusebefall Ihrer Kinder verschweigen. Dies führt leider zu immer wiederkehrenden „Ausbrüchen“ von Läusen. Leider wird diese unsinnige Geheimhaltung durch mangelnde Aufklärung und Forderungen seitens mancher Kindertageseinrichtungen noch immer gefördert.
Also noch einmal: Bitte teilen Sie umgehend mit, wenn Ihr Kind von Läusen befallen ist und behandeln sie den Befall umgehend mit einem der Mittel aus der folgenden Liste. Damit können Sie unnötige Fehltage Ihres Kindes in der Schule vermeiden!

Annerkannte (vom Umweltbundesamt geprüfte) Läusemittel:

Die annerkannten Läusemittel unterteilen sich in drei Gruppen.
  1. Präparate: Infecto-Pedicul, Goldgeist forte, Jacutin pedicul Spray.
    Pyrethrum- oder pyrethroidhaltige Arzneimittel zum Auftragen auf die Kopfhaut.
    Bei Pyrethrum handelt es sich um Insektengift das aus Crysanthemen gewonnen wird. Die Pyrethroide sind diesem ähnlich aber künstlich hergestellt (Permethrin und Allethrin). Diese Wirkstoffe sind Gifte die auf das Nervensystem der Läuse wirken. Im Ausland sind allerdings bereits Berichte über Resistenzen gegen diese Insektengifte bei Kopfläusen veröffentlicht worden. Zudem gibt es Berichte über Überempfindlichkeitsreaktionen bei behandelten Personen (insbesondere bei Wiederholungsbehandlungen). Mittel die diese Wirkstoffe enthalten sind Arzneimittel und können verschrieben werden (Krankenkasse zahlt). Insbesondere für die Behandlung von Kleinkindern und Schwangeren sollte aber auf eine andere Wirkstoffgruppe ausgewichen werden.
  2. Präparate: Etopril, Nyda L, Jacutin pedicul fluid, InfectoDimet.
    Dimeticonhaltige Arzneiprodukte zum Auftragen auf die Kopfhaut.
    Dimeticon ist ein Silikonöl, es wirkt in dem es in die Atemöffnungen der Läuse eindringt und diese blockiert, so dass diese absterben. Für Dimeticon sind keine Resistenzen bekannt und es ist nicht giftig. Eventuell kennen Sie Dimeticon auch schon als Mittel gegen Blähungen beim Säugling (Lefax oder Sab simplex). Der Unterschied besteht aber in der Zubereitung der Lösung also bitte die Läusemittel nicht trinken und Lefax nicht in die Haare schmieren. Auch für die Dimeticone liegen Wirksamkeitsnachweise vor und sie werden von der Krankenkasse bezahlt (Rezept).
  3. Präparat: Paranix
    Kombination aus Kokosöl und Anisöl zum Auftragen auf die Kopfhaut.
    Auch für diese Kombination wurde die Wirksamkeit in einer Studie im Vergleich zu Permethrin bewiesen, auch für dieses Präparat sind keine Resistenz bekannt und es gilt als ungiftig. Auch dieses Produkt wird von der Kasse bezahlt.

Als gute Kombinationsmöglichkeit mit den o.g. Wirkstoffen sollten Sie einen guten Nissen- (Staub- ) Kamm zur Diagnostik, zum Auskämmen und zum entfernen der Nissen (nur Kosmetik) verwenden. Alle anderen bekannten Methoden und Präparate wurden bisher entweder nicht auf Ihre Wirksamkeit gegen Kopfläuse getestet oder haben sich in entsprechenden Untersuchungen als unwirksam herausgestellt.
Weitere Informationen erhalten Sie unter www.pediculosis-gesellschaft.de (Hier finden Sie vor allem auch einige sehr gute Bilder und Anleitungen zum Thema.), www.kindergesundheit-info.de (Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA) , auf der Internetseite des Roberet-KochInstituts (RKI) www.rki.de (Hier finden Sei weitere Links und auch die aktuelle Liste der vom Bundesinstitut für Risikobewertung zugelassenen Mittel zur Behandlung von Kopfläusen)..

Für welches Präparat oder welche Methode Sie sich auch entscheiden, wichtig ist die in der Beschreibung der Methode oder des Mittels angegebenen Maßnahmen und Zeiten genau einzuhalten und Ihre Umgebung über die Läuse zu informieren.

Hans-Martin Lode
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
Vater von 2 Kindern an der ASS (1. und 3. Klasse)

Quellen: Die o.g. Internet-Seiten und das Handbuch der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie, „DGPI- Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen“, 5. Auflage, Thieme Verlag, 2009. Stand Februar 2012

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